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Geographie

 Spanien (spanisch España), konstitutionelle Monarchie im Südwesten Europas, erstreckt sich über den größeren Teil (etwa 80 Prozent) der Iberischen Halbinsel und grenzt im Norden an den Golf von Biscaya, an Frankreich und Andorra, im Osten an das Mittelmeer, im Süden an das Mittelmeer und an den Atlantik und im Westen an Portugal und den Atlantik. Die britische Kronkolonie Gibraltar liegt im äußersten Süden von Spanien und wird von diesem beansprucht. Die Balearen im Mittelmeer und die Kanarischen Inseln im Atlantik vor der Küste Afrikas sind spanische Gebiete. Weiterhin stehen zwei kleine Exklaven in Marokko, Ceuta und Melilla, sowie drei Inselgruppen nahe der Küste von Afrika (Peñón de Vélez de la Gomera, die Alhucemas- und die Chafarinas-Inseln) unter spanischer Verwaltung. Das Staatsgebiet Spaniens einschließlich der Gebiete in Afrika und der Inselterritorien beläuft sich auf 504 782 Quadratkilometer. Madrid ist Hauptstadt und gleichzeitig die größte Stadt des Landes.

 Karte

Land

Spaniens Mittelmeerküste ist etwa 1 660 Kilometer, die Atlantikküste etwa 710 Kilometer lang. Die lange, ununterbrochene Gebirgskette der Pyrenäen, die sich auf etwa 435 Kilometer vom Golf von Biscaya bis zum Mittelmeer erstreckt, bildet im Norden die natürliche Grenze zu Frankreich und damit zu Westeuropa. Im äußersten Süden trennt die Straße von Gibraltar, die an ihrer schmalsten Stelle weniger als 13 Kilometer breit ist, Spanien von Afrika.

Physische Geographie

Das spanische Festland wird von drei unterschiedlichen Landschaftsräumen geprägt. Dies sind das zentrale Hochland der Meseta, die randlich anschließenden Gebirge sowie die äußeren Becken- und Gebirgslandschaften. Die mittlere Höhe des Festlandes beträgt etwa 660 Meter über dem Meeresspiegel. Damit ist Spanien nach der Schweiz das gebirgigste Land des europäischen Kontinents.

Das ausgedehnte Hochland der Meseta mit Madrid im Zentrum erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 250 000 Quadratkilometern. Diese Hochebene fällt von Osten nach Westen sanft ab. Sie wird vom Kastilischen Scheidegebirge und dessen Ausläufern Sierra de Guadarrama und Sierra de Gredos in die nördliche und die südliche Meseta unterteilt. Höchste Erhebung in diesem Gebiet ist der Pico de Almanzor mit 2 592 Metern. Die Gebirgszüge sind durch zum Teil steilwandige Täler intensiv gegliedert. Die nördliche Meseta umfasst die historischen Landschaften Altkastilien und León, die größere südliche Meseta die Landschaften Neukastilien und Extremadura.

An die zentral gelegene Meseta schließen Gebirgszüge an. Nach Norden ist dies das Kantabrische Gebirge mit dem bis 2 648 Meter hohen Massiv der Picos de Europa. Im Osten wird die Hochebene vom Iberischen Randgebirge umrahmt (in der Sierra de Moncayo bis 2 313 Meter hoch). Die geographische Grenze nach Süden markiert die bis 1 323 Meter hohe Sierra Morena. Im Westen fällt die Meseta allmählich über das Tafelland der Extremadura zur Atlantikküste in Portugal ab.

Zu den höchsten der äußeren Randgebirge des spanischen Festlandes gehören die Pyrenäen im Norden und die Betische Kordillere mit der Sierra Nevada im Süden. Höchster Gipfel der Pyrenäen, dem Grenzgebirge zu Frankreich, ist der Pico de Aneto mit 3 404 Metern. In der Sierra Nevada erhebt sich der Mulhacén (3 478 Meter) als höchster Berg der Iberischen Halbinsel. Zwischen den inneren, die Meseta begrenzenden Gebirgen und den küstennahen Hochgebirgen breiten sich ausgedehnte Flusstäler aus. Weite Beckenlandschaften werden von den längsten Flüssen der Halbinsel durchquert.

Die fruchtbaren Küstenebenen sind überwiegend schmal und selten breiter als 30 Kilometer. An einigen Stellen reichen die Bergketten bis an das Meer, wo sie zum Teil sehr steil abfallen und felsige Landspitzen bilden. Dies ist besonders entlang der Mittelmeerküste der Fall, wo sich einzelne Ausläufer des Katalanischen Küstengebirges bis zum Meer hin ausdehnen. Barcelona verfügt über den einzigen größeren Hafen an diesem Küstenabschnitt. An der Küste im Nordwesten Spaniens, besonders in Galicien, gibt es einige bedeutende Häfen. Die Voraussetzungen für die Entstehung geeigneter Buchten sind in diesem Bereich überaus günstig. Durch nacheiszeitlichen Anstieg des Meeresspiegels wurden in Galicien ehemalige, weit ins Landesinnere hineinreichende Flusstäler überflutet und bilden nun tief eingeschnittene Buchten (Riaküste). In diesen Küstenbereichen entstanden ideale Naturhäfen.

Die Inselgruppe der Balearen bildet geologisch die nordöstliche Fortsetzung der Betischen Kordillere im Mittelmeer. Höchster Berg ist der Puig Mayor auf Mallorca mit einer Höhe von 1 445 Metern. Die höchste Erhebung auf dem gesamten spanischen Territorium ist der Pico de Teide (3 718 Meter) auf Teneriffa, der größten der Kanarischen Inseln.

Auch wenn der Boden in Spanien für eine agrarische Nutzung sorgfältig bewässert und kultiviert werden muss, ist er eine reiche und wertvolle natürliche Ressource. Das Spektrum unterschiedlicher Bodentypen ist aufgrund der Größe der Landes überaus breit. Während weite Teile des überwiegend trockenen Landesinneren von wenig entwickelten Rohböden bedeckt sind, ist in den feuchteren Regionen Terra rossa großflächig verbreitet. Dieser Bodentyp ist charakteristisch für die Teile des mediterranen Raumes, in denen Kalkstein ansteht. Die niederschlagsreichen Gebiete im Norden des Landes sowie an den Luvseiten der Gebirge sind mit fruchtbaren Braunerden bedeckt. Die Landesteile in den trockenen Bereichen des südöstlichen Spanien tragen überwiegend graue, salzhaltige Halbwüsten- und Wüstenböden.

Flüsse und Seen

Die längsten spanischen Flüsse durchqueren zum Teil ausgedehnte Beckenlandschaften. Sie haben meist große Einzugsgebiete; ihre Wasserscheiden verlaufen über die Kämme der hohen Gebirgszüge. Die Hauptwasserscheide zwischen Atlantischem Ozean und Mittelmeer verläuft über die Gebirge, welche die Meseta im Norden und Osten begrenzen.

Der für kleinere Schiffe streckenweise befahrbare Ebro im Nordosten Spaniens fließt in einem breiten Becken zwischen den Pyrenäen und dem Iberischen Randgebirge und mündet nach Durchqueren des Katalanischen Küstengebirges in einem sich ständig erweiternden Delta ins Mittelmeer. Er ist 910 Kilometer lang und der einzige der großen spanischen Flüsse, die in das Mittelmeer entwässern. Die anderen Hauptflüsse des Landes münden in den Atlantischen Ozean. Der 657 Kilometer lange Guadalquivir durchfließt in Südspanien das breite Andalusische Becken, das zum Atlantischen Ozean hin in eine weite Tiefebene übergeht. Duero (in Portugal Douro, Gesamtlänge 895 Kilometer), Tajo (Tejo, 1 007 Kilometer), Guadiana (778 Kilometer) und Miño (Minho, 310 Kilometer) entspringen in Spanien und münden in Portugal in den Atlantik.

Der Guadalquivir ist der tiefste Fluss Spaniens und der einzige, der über eine gewisse Strecke für größere Schiffe befahrbar ist. Die meisten spanischen Flüsse sind zu schmal für die Binnenschifffahrt und können auch kaum zur Bewässerung genutzt werden. Zahlreiche Kraftwerke dienen jedoch der Energiegewinnung aus Wasserkraft. In Spanien gibt es keine größeren natürlichen Binnenseen. An vielen Stellen der großen Flüsse wurden künstliche Stauseen angelegt.

Klima

Aufgrund der großen Höhenunterschiede und der weiten Nord-Süd- und West-Ost-Erstreckung hat Spanien Anteil an mehreren Klimazonen. Die nördlichen Landesteile (von Galicien im Nordwesten über das Kantabrische Gebirge bis zu den Pyrenäen im Nordosten) sind ozeanisch geprägt; sie erhalten Niederschläge zu allen Jahreszeiten. In manchen Gebieten wurden schon Jahresniederschläge von mehr als 2 500 Millimetern verzeichnet. Sie gehören damit zu den feuchtesten Gebieten Europas. Die Tages- und Jahresschwankungen der Temperatur sind im Norden relativ gering. Die mittleren Monatstemperaturen liegen im Sommer um 20 °C, im Winter bei etwa 9 °C.

Das Klima im überwiegenden Teil Spaniens ist demgegenüber subtropisch-mediterran. Aufgrund der großen Entfernung zum thermisch ausgleichenden Meer hat es kontinentalen Charakter. Die Temperaturunterschiede sind im Jahresverlauf vor allem in der Meseta sehr hoch. Madrid hat eine mittlere Julitemperatur von 24 °C, während der entsprechende Wert im Januar bei nur 5 °C liegt. Einzelne Tage können extremere Werte annehmen. So werden hier im Sommer mitunter Tagestemperaturen von 40 °C überschritten und im Winter an manchen Tagen–10 °C erreicht. Hier können im Winter die Flüsse zufrieren, während es im Sommer in der zentralen Hochebene so heiß ist, dass viele Flüsse bei lange andauernden Dürreperioden vollständig austrocknen. Ein vor allem im südlichen Teil der Hochebene im Sommer auftretendes Phänomen ist die Calina. Dieser Begriff bezeichnet trockenen Staubdunst, der aus kleinsten Staubteilchen besteht, die von der aufsteigenden heißen Luft in die bodennahen Luftschichten transportiert werden. Die mittleren Jahresniederschläge liegen in den flachen Gebieten der Meseta zwischen 300 und 600 Millimetern (in Madrid 419 Millimeter), die Randgebirge des Hochlandes erhalten bis 2 000 Millimeter. Hauptregenzeiten im zentralen Spanien sind Frühjahr und Herbst.

Am trockensten ist es in den küstennahen Tieflagen im Südosten. Im Windschatten der Sierra Nevada werden häufig 200 Millimeter Niederschlag im Jahr unterschritten. Damit zählt dieses Gebiet zu den trockensten in Europa. Halbwüstenhafte Bedingungen herrschen in einem küstenparallelen Streifen zwischen Alicante im Nordosten und Almería im Südwesten. Regen fällt hier in Form von Schauern an nur wenigen Tagen im Jahr.

Auf den Balearen sind die Winter relativ mild bei Mittelwerten um 12 °C. Die Kanarischen Inseln verzeichnen aufgrund der südlicheren Lage ganzjährig hohe Temperaturen; die Mittelwerte liegen zwischen 18 °C im Winter und 26 °C im Sommer.

Flora

Die natürliche Vegetation Spaniens wurde durch menschliche Einflussnahme tief greifend umgestaltet. Früher waren weite Teile der Iberischen Halbinsel von Wald bedeckt. Weiträumige Abholzung zur Ausweitung von Agrar- und Siedlungsfläche sowie zur Gewinnung von Bau- und Brennholz dezimierte die Waldbestände erheblich. Mittlerweile sind nur noch etwa fünf Prozent der Landesfläche bewaldet. In den kühleren und feuchteren Lagen des Nordwestens überwiegen sommergrüne Laubbäume wie Buchen, Eichen oder Kastanien, während in den Pyrenäen zusätzlich Nadelhölzer gedeihen. Seit mehreren Jahrzehnten wird intensiv Aufforstung betrieben. Einerseits sollen die neu geschaffenen Waldflächen das Fortschreiten der Bodenerosion verhindern und den Wasserhaushalt der betreffenden Gebiete verbessern. Andererseits stehen hierbei wirtschaftliche Überlegungen im Mittelpunkt des Interesses.

Unter den wärmeren und trockeneren Bedingungen der nach Süden anschließenden Landesteile wird die Vegetationsbedeckung lichter. Im Übergangsbereich zu den sommerheißen Gebieten sind in den höheren Lagen Kork- und Steineichenwälder sowie verschiedene Strauchgewächse wie Ginster verbreitet. Die innere Borke der Korkeichen kann nach etwa acht bis zehn Jahren in Platten vom Stamm geschält und verarbeitet werden. Korkeichen werden zumeist als Nutzbäume angebaut. Weiden, Erlen und Pappeln sind die charakteristischen Baumarten der Flussufer. Die natürliche Vegetation in der zentralen Hochebene besteht vor allem aus Büschen und Sträuchern.

Im Süden des Landes sind der Trockenheit angepasste Hartlaubgewächse verbreitet. Dominante Arten der Macchie sind Johannisbrotsträucher, Erdbeerbäume und Oleander. Außerdem finden Agaven und Feigenkakteen hier ideale Wachstumsbedingungen. Der Anbau von Olivenbäumen ist einer der wichtigsten landwirtschaftlichen Bereiche. Der Olivenbaum ist die klassische Leitpflanze der mediterranen Flora. Eine der vielen wissenschaftlichen Abgrenzungen des Mittelmeerraumes orientiert sich an der Verbreitung des Ölbaumes. Während der Anbau im Landesinneren bis in die Meseta hineinreicht, werden die küstennahen Gebiete bis in die Pyrenäen kultiviert. In den trockensten Gebieten im Südosten wurden die typischen Vertreter der Macchie durch die Gebüschformation Garigue verdrängt. Die Flora setzt sich dabei aus niedrig wüchsigeren Pflanzen wie Wolfsmilchgewächsen und Zistrosen zusammen.

Die Vegetation der Kanarischen Inseln umfasst zahlreiche endemische Arten. Zu den markantesten Pflanzen gehört dabei der Drachenbaum. Die Kanarische Dattelpalme breitete sich von den Inseln über weite Teil des Mittelmeerraumes aus.

Fauna

Die früher vielfältigere Tierwelt ist durch die weiträumige Abholzung reduziert worden. Viele Arten verloren ihre Lebensgrundlage und wurden entweder in Randbereiche zurückgedrängt oder starben vollständig aus. Zum Schutz bedrohter Arten wurden vor allem in den Pyrenäen, im Kantabrischen Gebirge und im Mündungsbereich des Guadalquivir Nationalparks eingerichtet. Die heutige Fauna Spaniens ist mit Ausnahme der Vogel- und Insektenwelt überaus artenarm; sie entspricht der Tierwelt anderer Mittelmeerländer. In den gebirgigeren Regionen leben Gämsen, Wölfe, Luchse, Füchse, Wildschweine, Wildkatzen, Wildziegen, Rotwild und Hasen.

In feuchten Gebieten sind Flamingos, Reiher und Haubentaucher verbreitet. Die Tierwelt Spaniens umfasst darüber hinaus eine reichhaltige Vogelwelt mit einer Vielzahl von Raubvogelarten. Zu den berühmtesten domestizierten Tieren gehören die Stiere, die in der Nähe von Sevilla und Salamanca für den spanischen Nationalsport, den Stierkampf, gezüchtet werden. Die Insektenwelt der Iberischen Halbinsel ist vielfältig. In den Bergflüssen und -seen leben zahlreiche Fischarten wie Barben, Schleien und Forellen. Die Küstengewässer sind reich an Thunfischen, Sardinen und Schalentieren.

Bevölkerung

Spanien ist ein ethnisch überaus heterogenes Land. Die Bevölkerung Spaniens ging im Wesentlichen aus der Mischung der ursprünglichen Bevölkerung der Iberischen Halbinsel mit den Völkern hervor, welche die Halbinsel eroberten und über lange Zeiträume hinweg besetzten. In diesen Perioden kamen ethnologische Elemente der Römer, der Sweben, der Westgoten (siehe Goten) und der Teutonen hinzu. Weiterhin können semitische Elemente nachgewiesen werden. Viele ethnische Gruppen in Spanien haben sowohl kulturell als auch sprachlich ihre Identität bewahrt. Hierzu zählen die etwa 2,5 Millionen Basken im Norden des Landes. Sie sind Nachkommen eines nichtindogermanischen Volksstammes und zeigen traditionell starke Bestrebungen zur Autonomie. Die historische Region der Basken reicht auf französisches Staatsgebiet über. Im Nordwesten Spaniens leben rund 2,5 Millionen Galicier. Eine weitere ethnische Gruppe sind die etwa acht Millionen Katalanen, von denen die meisten in Katalonien leben. Weitere Siedlungsgebiete der Katalanen sind die südlich angrenzenden Gebiete sowie die Balearen. Außerdem leben in Spanien etwa 500 000 Sinti und Roma.

Die Einwohnerzahl Spaniens beträgt etwa 39,5 Millionen. Die Bevölkerungsdichte liegt bei etwa 78 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Verteilung der Bevölkerung ist überaus ungleichmäßig. Mehr als drei Viertel der Bevölkerung leben in den Städten. Hohen Werten der Bevölkerungsdichte in den wirtschaftlich stark entwickelten Gebieten und den Küstenregionen stehen zum Teil sehr niedrige Werte im Landesinneren gegenüber. Die Zuwanderung von Menschen aus strukturschwachen ländlichen Regionen in die großen Städte hält an. Mehr als drei Millionen Spanier leben im Ausland, darunter etwa 200 000 in Deutschland.Madrid

Spanien besteht aus 17 Autonomen Gemeinschaften mit insgesamt 52 Provinzen. Die Autonomen Gemeinschaften sind Andalusien, Aragonien, Asturien, Balearen, Baskenland (País Vasco), Kanarische Inseln, Kantabrien, Kastilien-La Mancha, Kastilien-León, Katalonien, Extremadura, Galicien, La Rioja, Madrid, Murcia, Navarra und Valencia.

Wichtige Städte

Die Hauptstadt und zugleich größte Stadt ist Madrid (3,10 Millionen Einwohner). Die zweitgrößte Stadt, Barcelona (1,64 Millionen Einwohner), ist zugleich wichtigster Hafen und Handelszentrum, die Hauptstadt der Provinz Barcelona und der Region Katalonien. Weitere bedeutende Städte sind u. a. Valencia (755 000 Einwohner), die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und Region, ein Produktions- und Eisenbahnzentrum, Sevilla (685 000 Einwohner), Hauptstadt der Provinz Sevilla und der Region Andalusien, ein bedeutendes kulturelles Zentrum, Zaragoza (595 000 Einwohner), Hauptstadt der Provinz Zaragoza und der Region Aragonien, ein wichtiges Industriezentrum, und Bilbao (370 000 Einwohner), eine Stadt mit einem bedeutenden Exporthafen.

Sprache

Offizielle Landessprache ist Spanisch, das auf dem kastilischen Dialekt beruht. Weltweit wird Spanisch von etwa 250 Millionen Menschen gesprochen. Rund 500 000 Menschen im spanischen und französischen Baskenland sprechen Baskisch. Diese Sprache ist überaus alt, und ihre Herkunft ist unbekannt. Sie hat keinerlei Verwandtschaft mit anderen europäischen Sprachen. Katalanisch hat seit Ende der Franco-Ära im Nordosten des Landes Spanisch immer mehr verdrängt. Galicisch ist mit dem Portugiesischen eng verwandt; zwischen beiden gibt es keine klare Sprachgrenze. Baskisch, Katalanisch und Galicisch sind seit 1978 als Nationalsprachen anerkannt und werden in den Schulen der jeweiligen Gebiete unterrichtet.

Religion

Etwa 97 Prozent der Spanier bekennen sich zum römisch-katholischen Glauben. Das Land ist in elf Erzdiözesen und über 50 Suffraganbistümer unterteilt. Der Katholizimus war einst Staatsreligion. In der Verfassung von 1978 wurde jedoch festgelegt, dass Spanien keine Staatsreligion mehr haben soll. Es gibt kleinere Gemeinden von Protestanten, Juden und Muslimen.

Soziales

Das 1939 erlassene Gesetz zur Familienbeihilfe gewährt den Arbeitern in Spanien eine monatliche Unterstützung je nach Anzahl der Kinder in der Familie. Die hierfür benötigten Mittel werden von Arbeitgebern und Angestellten beigesteuert. Seit 1949 gibt es ein Rentensystem sowie Kranken- und Wochengeld. Aus öffentlichen Geldern stammen die Mittel für die Unterstützung der Armen, Schwesternschulen und Krankenhäuser. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung ist ausreichend.

Bildung und Kultur

Das goldene Zeitalter des spanischen Bildungswesens lag im Mittelalter, als Mauren, Christen und Juden in Córdoba, Granada und Toledo starke, religionsübergreifende Zentren für höhere Bildung unterhielten. Die Universität von Salamanca (1218 gegründet) diente seit dem 16. Jahrhundert als Vorbild für die Hochschulen in Lateinamerika und stärkte so den internationalen Einfluss des spanischen Bildungswesens. Im Lauf des 16. Jahrhunderts war die Universität von Alcalá (gegründet in Alcalá de Henares 1510, Umzug nach Madrid 1836 – Universität von Madrid) für die in vielen Sprachen parallel durchgeführten Bibelübersetzungen berühmt. Bedeutende Lehrmeister jener Zeit waren u. a. Juan de Huarte, ein Pionier auf dem Gebiet der Anwendung der Psychologie in der Bildung, der Humanist und Philosoph Juan Luis Vives, der neue Vorstellungen für das Bildungswesen vertrat und sich ganz besonders für die Bildung der Frauen einsetzte, sowie St. Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens. Francisco Giner de los Ríos, der nach Reformmöglichkeiten in der höheren Bildung und bei der Ausbildung von Frauen suchte, Francisco Ferrer Guardia, der nationalistische Lehrer, der sich für eine Reform und Demokratisierung der Bildung stark machte, und der Philosoph José Ortega y Gasset, dessen Schriften über die Aufgaben der Universität in viele Sprachen übersetzt wurden, waren weitere Lehrer, die im 19. und 20. Jahrhundert wichtige Beiträge zum Bildungswesen leisteten. Die Königliche Spanische Akademie (1713 gegründet) und die Königliche Akademie für Geschichte (1738 gegründet) sind für ihre wissenschaftlichen Veröffentlichungen bekannt.

Jede Betrachtung der spanischen Kultur muss den außerordentlich großen Einfluss der Religion auf die Geschichte des Landes und das Leben des Einzelnen hervorheben.

Das spanische Leben ist stark von Fiestas geprägt. Diese Fiestas beginnen normalerweise mit einer Hochmesse mit anschließender feierlicher Prozession, bei der Heiligenfiguren von den Teilnehmern auf ihren Schultern getragen werden. Oft beleben Musik, Tanz, Dichtung und Gesang diese farbenfrohen Ereignisse. Zu den bedeutendsten Fiestas gehören die Fiesta in Valencia, die April-Fiesta in Sevilla und die Fiesta San Fermín in Pamplona. Dagegen sind das Fronleichnamsfest in Toledo und Granada sowie die Feierlichkeiten der Karwoche in Valladolid, Zamora und Cuenca sehr ernsthafte und würdevolle Ereignisse.

Der Stierkampf, der in der spanischen Tradition eine überaus große Rolle einnimmt, wird fiesta brava genannt. Hierbei handelt es sich um mehr als nur einen reinen Publikumssport. Die Fans beklatschen nicht nur den Mut der toreros, sondern auch deren Geschick und Kampfkunst. Auch wenn der Stierkampf selbst in Spanien immer stärker in die Kritik gerät, bleibt der Besuch einer Arena für viele Spanier eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Die Wurzeln des Stierkampfes reichen in das 16. Jahrhundert zurück, als Reiter (caballeros) die Stiere mit der Lanze erlegten. Neben der Funktion als Feierlichkeit an adeligen Höfen diente dieser Kampf mitunter auch als Waffenübung. Im Laufe des 17. Jahrhunderts wurde der berittene Kämpfer immer mehr vom "Kämpfer zu Fuß" verdrängt. Zum öffentlichen Schauspiel wurden Stierkämpfe mit Fertigstellung des Baus der ersten Plaza de Toros im Jahr 1749 in Madrid. Mittlerweile treten als Stierkämpfer nur noch professionelle Toreros in die Arena.

Bildung und Schulwesen

Während der letzten Jahrzehnte wurde das Bildungswesen kontinuierlich ausgebaut. Dadurch gelang es auch, die Analphabetenrate auf inzwischen unter fünf Prozent zu senken. In Spanien ist die Schulausbildung kostenlos. Für Kinder zwischen sechs und 16 Jahren ist der Besuch einer Schule Pflicht. Das Schulsystem besteht aus der Vorschule (für Kinder von drei bis fünf Jahren), der Grundschule (von sechs bis elf Jahren) und einer weiterführenden Schule (von zwölf bis 16 Jahren). Danach können die Schüler entweder eine ein bis zwei Jahre dauernde Berufsausbildung absolvieren oder das sich über zwei Jahre erstreckende Bachillerato als Vorbereitung und Bedingung für den Besuch der Universität ablegen. Das universitäre System besteht aus drei Stufen. Die erste, bei deren Abschluss die Diplomatura erreicht wird, dauert drei Jahre. Nach Abschluss der zweiten Stufe, die sich über zwei oder drei Jahre hinzieht, wird die Licenciatura abgelegt. Studenten, die den Grad eines Doktors erreichen wollen, müssen die dritte Stufe über zwei Jahre absolvieren und eine Doktorarbeit schreiben.

Etwa 1,2 Millionen Studenten sind an spanischen Hochschulen eingeschrieben. Zu den bedeutendsten Universitäten des Landes zählen die Universität von Madrid, die Polytechnische Hochschule von Madrid (1971 gegründet), die Universität von Barcelona (1450), die Universität von Granada (1526), die Universität von Salamanca, die Universität von Sevilla (1502) und die Universität von Valencia (1500).

Kultureinrichtungen

Die im Jahr 1712 als Königliche Bibiliothek gegründete Nationalbibliothek in Madrid ist die größte des Landes und beherbergt über vier Millionen gebundene Bücher. Zu den bemerkenswerten Sammlungen der Bibliothek zählen seltene Bücher, Drucke und die wunderschöne Sala de Cervantes, die dem großen spanischen Schriftsteller Miguel de Cervantes Saavedra gewidmet ist. Die Bibliothek des Königlichen Palastes (1760 gegründet) in Madrid verfügt über viele seltene Auflagen aus dem 16. Jahrhundert sowie über hervorragende Sammlungen von Manuskripten und Kupferstichen. Eine der vollständigsten Bibliotheken Spaniens ist die Universitätsbibliothek in Madrid, die 1341 gegründet wurde. Hier befinden sich mehr als 800 000 Bände und über 270 000 Druckschriften. Die Escorial-Bibliothek in der Nähe von Madrid ist für ihre Sammlung seltener Bücher bekannt. Archiv und Bibliothek der Kathedrale von Toledo sind für die Sammlung von etwa 3 000 Manuskripten aus dem 8. und 9. Jahrhundert und mehr als 10 000 Dokumenten aus dem 11. Jahrhundert berühmt.

Eine der größten Kunstsammlungen der Welt befindet sich im Nationalmuseum für Malerei und Bildhauerkunst in Madrid (bekannt unter dem Namen Prado). Das Museum beherbergt viele Werke von El Greco, Diego Velázquez, Bartolomé Esteban Murillo und von Francisco Goya, Werke der italienischen Maler Sandro Botticelli und Tizian sowie von Rembrandt. Das Nationalmuseum für Moderne Kunst in Madrid hat sich auf die spanische Malerei nach 1800 spezialisiert.

Spanische Tonwaren, Brokate, Wandteppiche und Elfenbeinschnitzereien befinden sich im Nationalen Museum für Archäologie, das auch die bedeutendste spanische Bibliothek mit Werken der Archäologie beherbergt. Im Nationalen Völkerkundemuseum in Madrid sind Kunstwerke aus den ehemaligen spanischen Kolonien ausgestellt, darunter aus Äquatorial-Guinea, den Philippinen und Bolivien. Weitere Museen in Madrid sind das Nationale Museum der Wissenschaft und das Museum des Spanischen Volkes. In Barcelona befinden sich das Meereskundemuseum und das Archäologische Museum, das eine große Sammlung prähistorischer, phönizischer, griechischer, römischer und westgotischer Kunstwerke beherbergt.

Kunst und Musik

 Eine ganze Reihe bekannter Maler lebte und arbeitete in Spanien. Zu den berühmtesten zählen El Greco, Velázquez, Goya, Salvador Dalí und Pablo Picasso, der als Entwickler neuer Stilrichtungen und innovativer technischer Verfahren eine äußerst wichtige Stellung in der Kunst des 20. Jahrhunderts einnimmt.

Die spanische Musik ist voller Vitalität und Rhythmus und spiegelt die starken Einflüsse der christlichen und maurischen Kultur wider. Im 17. Jahrhundert wurde eine besondere Opernform, die zarzuela, eingeführt. Antonio Soler war im 18. Jahrhundert einer der führenden Klavierkomponisten, und Enrique Granados sowie Manuel de Falla setzten diese Tradition im 20. Jahrhundert fort. Neben Komponisten von Weltruf brachte Spanien auch Instrumentalvirtuosen hervor. Berühmte spanische Musiker des 20. Jahrhunderts sind u. a. der Gitarrist Andrés Segovia, der u. a. Paco de Lucia maßgeblich beeinflusste, und der Cellist Pablo Casals. Unter den berühmtesten Tenören der Gegenwart sind auch José Carreras und Plácido Domingo zu nennen.

Zu den in Spanien beliebtesten Instrumenten gehören Gitarre, Tamburin, Kastagnetten und die gaita, eine Art Dudelsack. Die Tänze Bolero, Flamenco, Jota und Fandango haben in Spanien ihren Ursprung. Vor allem der Flamenco ist weit über Spaniens Grenzen hinaus bekannt geworden. Bei der ursprünglichen Form des Flamenco herrschen komplizierte Rhythmen und Melodien vor, bei denen sich der arabische Einfluss deutlich zeigt. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich leichtere tänzerische Ausprägungen des Flamenco.

Medien

Die staatliche Mediengesellschaft Radiotelevision Española (RTVE) wird von einem Ausschuss geleitet, dem Vertreter aller politischer Richtungen und der freien Wirtschaft angehören. Seit 1988 sind auch private Fernsehstationen zugelassen. In Spanien gibt es mehr als 100 Tageszeitungen, die eine Gesamtauflage von etwa drei Millionen Exemplaren erreichen. Einflussreiche Tageszeitungen sind etwa die in Madrid herausgegebenen El País und A.B.C. sowie La Vanguardia aus Barcelona.

Verwaltung und Politik

In den späten siebziger Jahren durchlief Spanien den Übergang von einem autoritären Regime (1939-1975) unter Francisco Franco hin zu einer konstitutionellen Monarchie mit einem einflussreichen Parlament. 1978 trat die spanische Verfassung in Kraft, die 1992 letztmals erweitert wurde.

Exekutive

Das spanische Staatsoberhaupt ist der König, der auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist. In Spanien gibt es eine Erbmonarchie. Der König verfügt auch über das Recht, das Parlament aufzulösen. Die Exekutive liegt in den Händen des Regierungschefs (Premierminister), der vom Monarchen nach Billigung des Parlaments vorgeschlagen und vom Abgeordnetenhaus (Kongress der Deputierten) gewählt wird. An der Regierungsmacht ist das Kabinett bzw. der Ministerrat beteiligt. Weiterhin gibt es mit dem Staatsrat ein beratendes Gremium.

Legislative

1977 wurde das spanische Einkammersystem der Cortes durch ein aus zwei Kammern bestehendes Parlament ersetzt. Die beiden Kammern setzen sich aus dem Abgeordnetenhaus mit 350 Mitgliedern und dem Senat mit 255 Mitgliedern (208 direkt gewählten Mitgliedern und 47 Sonderabgeordneten der Autonomen Gemeinschaften) zusammen. Die Mitglieder des Abgeordnetenhauses werden auf vier Jahre in allgemeiner Verhältniswahl gewählt. Wahlberechtigt sind alle Bürger ab 18 Jahren. Die direkt gewählten Senatoren werden in den Autonomen Gemeinschaften ebenfalls auf vier Jahre gewählt. Jede Provinz des Festlandes stellt mehrere Senatoren.

Judikative

Das spanische Rechtswesen wird von einem Justizrat geleitet, an dessen Spitze der Präsident des Obersten Gerichtshofes steht. Die oberste juristische Instanz ist der Oberste Gerichtshof mit Sitz in Madrid, der in sieben Bereiche unterteilt ist. Es gibt 17 territoriale Gerichte, eines in jeder Autonomen Gemeinschaft, 52 Gerichte der Provinzen und verschiedene Gerichte erster Instanz, die sich mit Strafsachen, Arbeitsrecht und Jugendstrafsachen befassen. Ein weiteres bedeutendes Gericht ist das Verfassungsgericht, das die Einhaltung der Verfassung überwacht.

Kommunalverwaltung

Die Verfassung von 1978 erlaubte zwei Arten von autonomen Regionen, die jeweils mit unterschiedlichen Befugnissen ausgestattet waren. Katalonien, das Baskenland und Galicien wurden zu "historischen Nationalitäten" erklärt und durchliefen ein vereinfachtes Verfahren zur Erreichung ihrer Autonomie. Das Verfahren für die anderen Regionen war langwieriger und komplizierter. Die Autonomen Gemeinschaften haben zwar weitgehende Vollmachten in der Selbstverwaltung; über die Frage, ob regionale oder zentrale Regierungsgewalt vorherrschen soll, wird jedoch noch immer verhandelt. Zu den von den Autonomen Gemeinschaften organisierten Aufgaben gehören u. a. Sozialfürsorge, Kultur, Polizei, Gesundheitswesen und Umweltschutz.

In jeder der 17 Autonomen Gemeinschaften Spaniens wird eine gesetzgebende Versammlung gewählt, die aus einer Kammer besteht. Diese Kammer bestimmt aus ihren Mitgliedern einen Präsidenten. Sieben Autonome Gemeinschaften bestehen aus nur einer Provinz, die anderen zehn umfassen zwei oder mehr Provinzen. Die einzelnen Gemeinschaften unterscheiden sich hinsichtlich Fläche, Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft stark voneinander. Katalonien im Nordosten von Spanien hat sich in den letzten Jahren zu einer der wirtschaftlich dynamischsten Regionen in Europa entwickelt. Die Wirtschaftsstruktur wird überwiegend vom produzierenden Gewerbe und dem Dienstleistungssektor geprägt. In der größeren, aber wesentlich dünner besiedelten Extremadura im Südosten Spaniens dominiert demgegenüber immer noch die Landwirtschaft.

In jeder der insgesamt 52 Provinzen gibt es einen ernannten Gouverneur und einen gewählten Rat. Die mehr als 8 000 Gemeinden werden jeweils von einem direkt gewählten Rat regiert, der seinerseits aus seinen Reihen den Bügermeister wählt.

Politische Parteien

Bei den Parlamentswahlen vom März 1996 gingen als stärkste Parteien die Partido Popular (PP, Konservative) und die Partido Socialista Obrero Español (PSOE, Sozialistische Arbeiterpartei) hervor. Außerdem im Parlament vertreten sind die Izquierda Unida (IU, Vereinigte Linke) sowie nationalistisch orientierte Parteien der Katalanen, Basken und Galicier.

Verteidigung

Für die männlichen Spanier ist seit Januar 1997 ein sechsmonatiger Wehrdienst Pflicht. Bis Ende 1996 betrug die allgemeine Wehrpflicht noch neun Monate. Die spanische Armee umfasst etwa 280 000 Soldaten. Die paramilitärische Guardia Civil hat eine Stärke von 66 000 Mann. In den vergangenen Jahren wurden jeweils etwa 200 000 neue Wehrpflichtige zum Dienst an der Waffe eingezogen. Die Zahl der Wehrdienstverweigerer beläuft sich auf jährlich etwa 100 000. Die neuesten Pläne des spanischen Verteidigungsministeriums zielen auf eine Abschaffung der Wehrpflicht bis zum Jahr 2003 und die Aufstellung einer Berufsarmee von rund 150 000 Soldaten.

Spanien wurde 1982 Mitglied des Nordatlantikpaktes (NATO). Diese Mitgliedschaft im westlichen Verteidigungsbündnis wurde 1986 mit einer Volkabstimmung bestätigt. Unter anderem zielte das Referendum auch auf die Reduzierung der in Spanien stationierten Truppen der anderen Mitgliedsstaaten der Allianz. Spanien und die Vereinigten Staaten von Amerika einigten sich im Januar 1988 auf den Abzug amerikanischer Luftstreitkräfte vom Stützpunkt Torrejón.

Wirtschaft

Traditionell ist Spanien ein landwirtschaftlich geprägter Staat. Auch heute noch ist es einer der größten landwirtschaftlichen Produzenten in Westeuropa. Allerdings ist seit Mitte der fünfziger Jahre auch die Industrie sehr schnell angewachsen. Eine ganze Reihe von Entwicklungsplänen, die 1964 aufgestellt wurden, unterstützten das Wirtschaftswachstum, das jedoch in den späten siebziger Jahren durch steigende Erdölpreise und wachsende Importraten gebremst wurde. Die Rezession traf eine Volkswirtschaft, die von zum Teil veralteten Industrieanlagen geprägt war. Die ersten Jahre nach dem Ende der Franco-Ära waren wirtschaftlich von einer Kapitalflucht ausländischer Investoren gekennzeichnet. In der Folge förderte die Regierung die Entwicklung der Stahl-, Schiffsbau-, Textil- und Bergbauindustrie. Der Tourismus ermöglicht Spanien bedeutende Einnahmen. Die Handelsbilanz des Landes ist jedoch negativ; die Ausgaben für Importe übersteigen die Einnahmen aus Exporten. Seit dem 1. Januar 1986 ist Spanien Vollmitglied der Europäischen Union (EU, ehemals Europäische Gemeinschaft) und wurde damit – ebenso wie das Nachbarland Portugal – in den europäischen Integrationsprozess einbezogen.

Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei etwa 482 841 Millionen US-Dollar. Von den spanischen Erwerbstätigen arbeiten 59 Prozent im Dienstleistungssektor, 31 Prozent sind im produzierenden Gewerbe tätig, 10 Prozent in der Land- und Forstwirtschaft sowie in der Fischerei. Die Arbeitslosenquote liegt bei etwa 23 Prozent.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist eine der wesentlichen Stützen der spanischen Wirtschaft. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte sind Weizen, Gerste, Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln, Roggen, Hafer, Reis, Trauben, Tomaten und Zwiebeln. Spanien verfügt über ausgedehnte Weinanbaugebiete sowie über Zitrus- und Olivenhaine.

Nur in einem Teil Spaniens, vor allem im Norden des Landes, ist der Trockenfeldbau bei ausreichenden Niederschlägen großflächig verbreitet. Ohne künstliche Bewässerung gedeihen vorwiegend Getreide und Hülsenfrüchte sowie trockenheitsresistente Dauerkulturen wie Weinstöcke, Feigenbäume und Ölbäume. Die klimatischen und topographischen Bedingungen erfordern in weiten Teilen der spanischen Landwirtschaft umfangreiche Bewässerung. In den Provinzen am Mittelmeer, vor allem in Valencia, gibt es Bewässerungssysteme, welche die Arbeit vieler Generationen widerspiegeln. Der früher trockene Küstengürtel ist heute eine der fruchtbarsten Gegenden in Spanien; auf vielen agrarisch genutzten Flächen (Huertas) sind mehrere Ernten im Jahr möglich. Neben Zuckerrohr und Zitrusfrüchten werden hier vor allem Gemüse, Tabak und auch Reis kultiviert. Im Tal des Ebro gibt es kombinierte Bewässerungs- und Wasserkraftprojekte zur Gewinnung von Elektrizität. Weite Gebiete der Extremadura werden mit Hilfe staatlicher Bewässerungsprojekte am Guadiana bewässert. In kleineren Bauernhöfen wird der Boden häufig über Brunnen bewässert. Andalusien liefert mehr als die Hälfte der gesamten Olivenproduktion des Landes. Ölbäume werden in den trockenen Gebieten Südspaniens auf großen Flächen angebaut. Weitere wichtige Anbauprodukte im Süden sind Baumwolle und Wein. Spanien ist einer der weltweit größten Weinproduzenten.

Viehzucht, insbesondere die Haltung von Schafen, Ziegen, Schweinen und Rindern, spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft. Der Viehbestand konnte in den vergangenen Jahrzehnten erheblich gesteigert werden. Entsprechend wuchs auch die Produktion von Fleisch und Milch. Eine Besonderheit in der Viehwirtschaft ist die Zucht von Kampfstieren, die vorwiegend in den nördlichen Regionen (vor allem in Galicien, in Asturien und im Baskenland) erfolgt. Die intensive Entwicklung der Viehwirtschaft ist mittlerweile vor allem in den trockeneren Gebieten Südspaniens problematisch geworden. Zu starke Beweidung führte auf einigen Flächen zu nahezu vollständigem Verlust der Vegetationsdecke und nachfolgenden Erosionsschäden.

Forstwirtschaft und Fischerei

Die Korkeiche gehört zu den wichtigsten Bäumen in Spanien, und die jährliche Korkproduktion wird in Europa nur noch von Portugal übertroffen. Die Erträge der Wälder allein können den Bedarf des Landes an Nutzholz nicht decken. Schon in der Antike wurden auf der Iberischen Halbinsel ausgedehnte Waldbestände gerodet. Wald- und Buschbrände führen dazu, dass trotz gezielter Aufforstung die gesamte Waldfläche jährlich kaum zunimmt. Zur Deckung des Papierbedarfes werden vor allem Pappel- und Eukalyptusarten angebaut.

Die Fischfangindustrie spielt in der spanischen Volkswirtschaft eine wichtige Rolle. Seit Beginn der achtziger Jahre sind die Fangquoten jedoch aufgrund der Beschränkung spanischer Fischereirechte von Seiten der Europäischen Union und Marokkos zurückgegangen. Die wichtigsten Fanggründe liegen vor der Atlantikküste Galiciens. Auch im Bereich der Kanarischen Inseln sind die Anlandungen hoch. Besonders hohe Erträge werden bei Thunfisch, Tintenfisch, Seehecht, Sardine, Sardelle, Markrele, blauem Weißfisch und Muscheln erreicht.

Bergbau

Spanien verfügt vor allem in den randlichen Gebieten über beträchtliche Vorkommen an Rohstoffen. In bedeutenden Mengen werden sie im Norden des Landes, vor allem in den Regionen Galicien, Asturien und Baskenland, sowie im Bereich der Sierra Morena und der Betischen Kordillere gefördert. Die ertragreichsten Kohleminen befinden sich im Nordwesten, in der Nähe von Oviedo. Um Santander und Bilbao gibt es die größten Eisenerzvorkommen. Große Quecksilbervorkommen wurden im Südwesten Spaniens, in Almadén, entdeckt. In Andalusien werden Kupfer und Blei abgebaut. Pottasche, Magnesium, Fluorit, Zinn, Wolfram, Wismut, Antimon, Cobalt und Steinsalz sind weitere Mineralien, die im Bergbau Spaniens eine Rolle spielen.

Negativ beeinflusst wird der Abbau durch die relativ hohen Produktionskosten aufgrund der Abgelegenheit der meisten Fördergebiete. Außerdem wirkten sich die niedrigen Weltmarktpreise für manche mineralische Rohstoffe entwicklungshemmend aus. Bei einigen Bodenschätzen wie Mangan und Titan wurde die Förderung eingestellt.

Industrie

Bis weit in die fünfziger Jahre hinein war Spanien ein überaus agrarisch geprägtes Land. Lediglich im Norden wurden auf der Basis der in der Umgebung abgebauten Rohstoffe Metallverarbeitung und Maschinenbau betrieben. Seit den sechziger Jahren ist der Umfang der industriellen Fertigung kontinuierlich angestiegen. Auch heute noch ist die Produktion jedoch überaus ungleich verteilt. Mit Ausnahme des Ballungsraumes Madrid gibt es in den zentralen Landesteilen kaum Industriestandorte. Demgegenüber ist das produzierende Gewerbe in den meisten Küstenregionen gut entwickelt.

Zu den wichtigsten in Spanien hergestellten Gütern gehören Textilien und Bekleidung, Eisen und Stahl, Fahrzeuge, chemische Produkte, Schuhe, Schiffe, raffiniertes Erdöl und Zement. Die nördlichen Regionen Asturien, Kampanien und das Baskenland sind Zentren des Maschinenbaus sowie der Eisen- und Stahlindustrie. Im Nordosten – vor allem in Katalonien – sind chemische und Textilindustrie gut entwickelt. Im Süden zählen Stahlwerke und Werften zu den wichtigsten Produktionsbetrieben. Die Fertigung von Kraftfahrzeugen ist auf mehrere Standorte verteilt. Auch die Verarbeitung von Nahrungsmitteln erfolgt in vielen Städten.

Energie

Etwa 48 Prozent des spanischen Strombedarfs werden in konventionellen Wärmekraftwerken produziert, in denen hauptsächlich Kohle oder raffiniertes Erdöl verbrannt werden. 17 Prozent der Energie werden in Wasserkraftwerken und 35 Prozent in Atomkraftwerken gewonnen. Im Süden Spaniens sind einige Solaranlagen im Betrieb.

Währung und Bankwesen

Die spanische Währungseinheit ist die Peseta, die von der Bank von Spanien (1829 gegründet) ausgegeben wird. Eine große Anzahl von Handelsbanken ist im ganzen Land verteilt. Die wichtigsten Börsen befinden sich in Madrid, Barcelona und Bilbao. Mit Beginn des Jahres 1997 verloren die Geldstücke, auf denen immer noch General Franco abgebildet ist, ihre Gültigkeit.

Außenhandel

Das Volumen des Außenhandels stieg nach dem Beitritt Spaniens zur EG stark an; Ausfuhr und Einfuhr entwickelten sich gleichermaßen. Die Handelsbilanz Spaniens ist negativ. Zu den wichtigsten Importgütern zählen Rohöl und andere Rohstoffe, Maschinen und Fahrzeuge, elektrotechnische und feinmechanische Instrumente, Nahrungsmittel und chemische Produkte. Exportiert werden vor allem Eisen und Stahl, Textilien, Kraftfahrzeuge und agrarische Produkte (besonders Olivenöl, Zitrusfrüchte und Wein). Die wichtigsten Handelspartner Spaniens sind Frankreich, Deutschland, Italien, Großbritannien und Portugal.

Verkehrswesen

Das spanische Straßennetz hat eine Gesamtlänge von etwa 320 000 Kilometern. Autobahnen (etwa 3 000 Kilometer) gibt es überwiegend in den nördlichen Gebieten und entlang der Mittelmeerküste. Das Schienennetz mit einer Länge von etwa 14 500 Kilometern wird von staatlichen und privaten Unternehmen unterhalten. Seit 1992 wird ein Hochgeschwindigkeitszug auf der Strecke von Madrid nach Sevilla eingesetzt. Die Erweiterung der Strecke nach Barcelona soll gegen Ende der neunziger Jahre erfolgen. Die von der Regierung kontrollierte Fluglinie Iberia fliegt nationale sowie internationale Ziele an. Die bedeutendsten Flughäfen sind Madrid, Barcelona, Palma de Mallorca, Las Palmas de Gran Canaria und Santa Cruz de Tenerife. Zu den wichtigsten Häfen zählen Barcelona, Bilbao und Gijón.

Tourismus

Die Einnahmen aus dem Tourismus leisten einen großen Beitrag dazu, das chronische Handelsdefizit Spaniens zu kompensieren. Spanien ist das europäische Land, in dem der Anteil der Einnahmen aus dem ausländischen Fremdenverkehr an den gesamten Deviseneinnahmen am höchsten ist. Jedes Jahr reisen mehr als 50 Millionen Menschen aus anderen Ländern nach Spanien; der überwiegende Teil davon sind Urlauber. Die meisten Besucher des Landes kommen aus Frankreich, Portugal, Deutschland und Großbritannien.

Der Tourismus konzentriert sich stark auf die festländischen Küstenregionen am Atlantischen Ozean und am Mittelmeer sowie auf die Balearen und die Kanarischen Inseln. Darüber hinaus verzeichnen auch die kulturell und historisch interessanten Städte Madrid, Barcelona, Valencia, Sevilla, Córdoba und Granada hohe Besucherzahlen. Bau und Betrieb der für die vielen Besucher benötigten Infrastruktur führten vor allem in den Küstenregionen zu intensiven wirtschaftlichen und ökologischen Veränderungen. Während im Tourismussektor kontinuierlich neue Arbeitsplätze geschaffen werden konnten, kam es andererseits durch den Bau von Hotels und Verkehrswegen zu Belastungen. Probleme sind dabei vor allem der hohe Wasserbedarf der Hotelanlagen, Entsorgung und Lärm.

 


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